Stabsichtigkeit (Astigmatismus)

meridili
Links (a) beide Meridiane mit gleichem Krümmungsradius (kein Astigmatismus),
rechts (b) vertikaler Meridian mit stärkerer Krümmung (benötigt Minuszylinder mit Achse 0° als Ausgleich, Astigmatismus nach der Regel

Bei dieser Refraktionsstörung ist die Brechkraft des Auges nicht in allen Meridianen gleich. Die Hornhaut ist dann nicht kugelsymmetrisch sondern am ehesten mit einem Ellipsoid (z.B. Ei) vergleichbar. Ein Bündel parallel einfallender Lichtstrahlen kann dann überhaupt nicht mehr zu einem Punkt vereinigt werden, sondern bildet sich als Strich ab. Dies gilt aber nur beim regulären Astigmatismus, bei dem die beiden Brechungsmeridiane senkrecht zueinander stehen. Beim unregelmäßigen Astigmatismus (z.B. Hornhautnarben, Keratokonus, Zustand nach Keratoplastik) ist überhaupt keine scharfe Abbildung mehr möglich, da die Oberfläche der Hornhaut unregelmäßig gekrümmt ist.

Formen des Astigmatismus
regulärer A.
(häufigste Form)
die einzelnen Meridiane der Hornhautoberfläche besitzen untereinander verschiedene, jedoch in sich gleichmäßige Krümmungen mit jeweils definierter Brennlinie (unterschiedl. Brennweiten)
irregulärer A. (seltener) die Wölbung der Hornhaut ist auch in einem festen Meridian nicht gleichmäßig, so dass jeder einzelne Meridian keine feste Brennlinie hat

Die häufigste Ursache des Astigmatismus sind angeborene Veränderungen von Hornhaut oder Linse.
Es gibt somit Hornhaut- und Linsenastigmatismus. Hornhautastigmatismus ist der häufigere. Beide zusammen - wegen der unterschiedlichen Lage im Auge aber nicht einfach additiv - bilden den Gesamtastigmatismus.

 

Brillengläser mit astigmatischer Wirkung besitzen in zwei aufeinander senkrecht stehenden Meridianwerten (den Hauptschnitten) verschiedene Scheitelbrechwerte. Daher lassen sich die Gläser im Gegensatz zu rein sphärischen Gläsern nicht mit einem Wert beschreiben. Sie werden üblicherweise gekennzeichnet durch die Angabe von "Sphäre" und "Zylinder" (sph ... cyl ... Gradzahl ...). Die sphärozylindrische Bezeichnung ist auf zweifache Wirkung möglich.:
1.  Pluszylinder-Bezeichnung: Hierbei wird die Wirkung angegeben als "Sphäre" und "Pluszylinder".
2.  Minuszylinder-Bezeichnung. Hierbei wird die Wirkung als "Sphäre" und "Minuszylinder" angeben.

Die Zylinderachse liegt in demjenigen Hauptschnitt, der als "Sphäre" gewählt wird. Der Scheitelbrechwert des anderen Hauptschnitts ist "Sphäre + Zylinder" unter Berücksichtigung der Vorzeichen. Wird bei einer Umrechnung des Scheitelbrechwert "Sphäre + Zylinder" des anderen Hauptschnittes als neue Sphäre gewählt, so bleibt der Zylinder zahlenmäßig erhalten, jedoch kehrt sich sein Vorzeichen um, und die Richtung des neuen Zylinders ändert sich um 90° gegenüber dem alten.

Eine weitere Möglichkeit, Brillengläser mit astigmatischer Wirkung zu kennzeichnen, besteht in der Angabe der Scheitelbrechwerte für die beiden Hauptschnitte.

Unterschiedliche Kennzeichnungen für dasselbe Glas
1. Variante (Minuszylinderschreibweise): +2,0 sph -3,0 cyl/10°
2. Variante (Pluszylinderschreibweise): -1,0 sph +3,0 cyl/100°
3. Variante (Angabe der Hauptschnittwerte):   -1,0/100°   //    +2,0/10°